Über die von Galamian gewünschte Verbesserung der Wechselwirkung

Galamian stellt in seinem Werk Grundlagen und Methoden des Violinspiels heraus, dass die Verbesserung der Wechselbeziehung der Schlüssel zu technischer Meisterschaft ist und nicht alleine das Trainieren und Ausbilden von Muskeln. Mit „Wechselbeziehung” meint er die geistig-physische Verbindung, also die Verbindung von Verstand und Muskeln. Der Schlüssel zu Fingerfertigkeit und Präzision und damit letztendlich zur vollkommenden Beherrschung der Violintechnik findet man in der Verbindung von Verstand und Muskeln, d.h. in der Fähigkeit, die Folge von geistigem Befehl zur physischen Reaktion so schnell und so präzise wie möglich zu verwirklichen (S. 12).

Ein wesentlicher Kern seines Ansatzes ist es, eben diese Wechselbeziehung zu verbessern, indem der Spieler der Geist-Muskel-Einheit möglichst rhythmisierende und koordinierende Aufgaben stellt. Für die Violintechnik allgemein schlägt er vier grundlegende Dinge vor: eine Veränderung von Zeitwerten (Rhythmen), die die linke Hand angehen, Strichartbeispiele für die rechte Hand, die Verbindung beider vorhergehenden als Aufgaben der Koordinierung und zuletzt das zusätzliche Hinzufügen von Akzenten, die die Aufgabenstellung weiterhin erschweren (S. 16).

 

Ihm geht es insbesondere um das geistige Vorbereiten, bevor ein Befehl zur Ausführung gegeben wird: Der grundlegende Vorgang besteht darin, dem Verstand Aufgaben zu stellen zur Weitergabe an die Muskeln, die vom Einfachen zum immer Komplizierteren fortschreiten. Es handelt sich da um Probleme des zeitlichen Abstimmens und des Koordinierens in der Art verschiedener Varianten von Rhythmus, Stricharten und Betonung und in der Verbindung all dieser drei Faktoren. In seinem Kapitel Über das Üben gibt er Beispiele, die das Problem der Verbesserung der Wechselbeziehung klären sollen (S. 105).

Mit Koordinierung meint Galamian möglicherweise etwas, was man auch mit „Unabhängigkeit“ von rechter und linker Hand bezeichnen könnte, eine Fähigkeit, unabhängige „Befehle“ geben zu können, die dann unabhängig und gleichzeitig ausgeführt werden. Diese Fähigkeit zu einer Unabhängigkeit würde Galamian, sofern er mit dieser Bezeichnung einverstanden wäre, vermutlich als eine zeitlose Fähigkeit eines Geigers bezeichnen, die [...] einen festen Platz [...] im Bestand der absoluten Werte einer vollkommenden technischen Ausrüstung [hat] (S. 13f.).   

[E. Hohage]